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Blackout – was passiert nach 30 Minuten?
Stromausfälle betreffen weit mehr als die Beleuchtung, Kommunikation und Zutrittskontrolle. Auch Evakuierungsabläufe müssen funktionieren!
Ein Stromausfall – und wenige Sekunden später übernimmt die Notstromversorgung. Für Betreiber Kritischer Infrastrukturen ist die Situation damit jedoch längst nicht gelöst. Denn je länger der Ausfall dauert, desto mehr technische und organisatorische Rückfallebenen werden relevant.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Was passiert nach 30 Minuten?
Wenn technische Sicherheitssysteme an ihre Grenzen kommen
Nicht alle sicherheitsrelevanten Einrichtungen verfügen über dieselbe Ersatzstromversorgung oder Überbrückungszeit. Neben Beleuchtung und IT können unter anderem Alarmierungsanlagen, Zutrittskontrollen, elektrisch verriegelte Türen, Aufzüge, Gebäudeleittechnik sowie Kommunikationssysteme betroffen sein.
Für den Arbeitsschutz entsteht daraus eine entscheidende Frage: Kann eine sichere Evakuierung auch dann durchgeführt werden, wenn mehrere dieser Systeme gleichzeitig nicht mehr wie gewohnt zur Verfügung stehen?
Ein Fluchtweg muss weiterhin nutzbar sein. Türen müssen sich im Notfall öffnen lassen. Beschäftigte, Besucher und Fremdfirmen müssen alarmiert und zum Sammelplatz geleitet werden können. Für Personen mit eingeschränkter Mobilität müssen geeignete Lösungen vorhanden sein. Gleichzeitig muss klar sein, wer eine Räumung anordnet und wie Verantwortliche miteinander kommunizieren, wenn Telefon, Mobilfunk oder digitale Systeme eingeschränkt sind.
Blackout als zeitabhängiges Szenario betrachten
Statt lediglich zwischen "Strom vorhanden" und "Strom ausgefallen" zu unterscheiden, sollten KRITIS-Betreiber die Auswirkungen entlang einer Blackout-Timeline betrachten:
0–5 Minuten: Welche Systeme schalten automatisch auf Ersatzversorgung um? Funktionieren Notbeleuchtung, Alarmierung und Kommunikation?
15 Minuten: Welche batteriebetriebenen Systeme nähern sich ihren Grenzen? Sind alle relevanten Personen informiert und erreichbar?
30 Minuten: Welche Sicherheitssysteme funktionieren noch? Sind sämtliche Flucht- und Rettungswege nutzbar? Können alle Personen zuverlässig alarmiert und evakuiert werden?
60 Minuten und länger: Welche weiteren Systeme fallen aus? Kann der sichere Betrieb aufrechterhalten werden oder müssen Bereiche kontrolliert geräumt werden?
Technik allein reicht nicht
Ein Notstromaggregat ist noch kein Blackout-Konzept. Mit zunehmender Dauer eines Stromausfalls gewinnen organisatorische Maßnahmen an Bedeutung. Verantwortlichkeiten und Vertretungen müssen eindeutig geregelt, alternative Kommunikationswege festgelegt und die Unterstützung besonders gefährdeter Personen vorbereitet sein.
Auch Übungen sollten diese Situation berücksichtigen. Dabei müssen Anlagen nicht tatsächlich abgeschaltet werden. Bereits simulierte Annahmen wie "Alarmierungsanlage ausgefallen", "elektronische Anwesenheitsliste nicht verfügbar" oder "dieser Ausgang ist nicht nutzbar" zeigen schnell, ob die vorgesehenen Rückfallebenen funktionieren.
Der 30-Minuten-Check
KRITIS-Betreiber sollten insbesondere prüfen:
- Sind die Überbrückungszeiten sicherheitsrelevanter Systeme bekannt?
- Funktionieren Fluchtwege und Notausgänge auch ohne reguläre Stromversorgung?
- Gibt es alternative Alarmierungs- und Kommunikationsmöglichkeiten?
- Können Beschäftigte, Besucher und Fremdfirmen auch ohne digitale Systeme erfasst werden?
- Sind Personen mit eingeschränkter Mobilität berücksichtigt?
- Sind Verantwortlichkeiten und Vertretungen für eine Evakuierung eindeutig geregelt?
Fazit: Ein Blackout ist nicht ausschließlich eine Herausforderung für Technik und Notstromversorgung. Er ist ebenso ein Szenario für den Arbeitsschutz und die betriebliche Notfallorganisation. Entscheidend ist nicht nur, was in der ersten Sekunde passiert – sondern ob Menschen auch nach 30 Minuten noch sicher alarmiert, geführt und evakuiert werden können.
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